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Full text of "Über das Odeion des Herodes Attikos [microform]"

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Mit 2 Tafeln lithographirter Abbildang^en. 



Jena 

Druck'lind Verlag von Friedrich Mauke. 

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RICHARD SCHHiliRACH. 



Mit 2 Tafeln lithographirter Abbildungen. 



Jena 

Druck und Verlag Ton Friedrich Mauke. 

1858. 



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DEß UNIVERSITÄT ZU JENA 



zu ihrer 



»REIHlJMDlKTJrÄHRIGEM JCSEI^FCIIER 



widmet diese Blätter 



als Zeichen dankbares Andenkens 



RICHARD SCHILLBiCH. 



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Inhalt« 



I. Herodes Atlikos. 

II. Odelon und Tbeater. 

ni. GescbichtUches über das Odelon des Herodes Attikos. 

IV. Ausgrabungsbericbt. 

V. Beschreibung des Odeions. 

VI. Funde. 




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I. Herodes Attikos. 

Kein Staat des Allertbums hat nach dem Verluste seiner Freiheit und Selbständigkeit eine so lange 
und glänzende Nacbblüthe gehabt als Athen. Herrscher fremder Staaten wetteiferten mit einander in 
grossartigen Gunstbezeugungen gegen diese Stadt, so dass es schien, als wollten sie dem Staate, dessen 
Cultur sie sich in mehr oder weniger hohem Grade angeeignet hatten, ihren Dank abstatten. 

Obenan steht in dieser Beziehung der römische Kaiser Hadrian, der unter Anderem das grosse 
Werk zur Vollendung brachte, welches das fireie Athen begonnen hatte, aber nicht zu Ende führen sab, 
nämlich den grossartigen Tempel des Olympischen Zeus. Aber auch Bürger des Athenischen Staates 
selbst trugen Ihren Theil zu dem Glänze Atbeo's in der späteren Zeit bei. Keiner kommt in dieser Be- 
ziehung gleich dem Herodes Attikos, dem Erbauer des Odeions. Eine kurze Zusammenstellung der 
Nachrichten, welche uns die alten Scbriristeller über diese merkwürdige Persönlichkeit hinterlassen haben, 
wird hier nicht am unrechten Platze sein. Das Hauptsächlichste über Herodes findet sich bei Flavius 
Pbilostratus in seinen Lebensbeschreibungen der Sophisten Buch H S. 545 — 566 (ed, Olear), 

Sein Geschlecht leitete Herodes ab von den Aeakiden. Seine Lebenszeit fdllt nach Suidas unter 
die Regierungszeit der Kaiser Trajan, Hadrian, M. Antoninus. Er war geboren um das Jahr 94 n. Chr. 
in Marathon, welches in späterer Zeit noch neben Kephissia ein Liel)lingsort für ihn war. Sein 
Grossvater war Hipparcbos, der wegen Majestätsverbrechen mit dem Verluste fast seiner sämmtiicben 
Güter und Besitzungen bestraft wurde. Attikos Jedoch, der Sohn desselben, der Vater des Herodes, 
gelangte später wieder zu gewaltigem Reichthum durch den Fund eines Schatzes in seinem Hause, wel- 
ches er in der Nähe des Theaters besass (im Jahre 97 n. Chr.). In einer fast übertriebenen Weise wandte 
er diesen plö'zlicb gewonnenen Reichthum an zu Wohlthaten gf^gen das Athenische Volk. Er soll in 
Wirklichkeit bisweilen der Athene eine Hekatombe Rinder geschlachtet und das V^olk nach Stämmen 
und Geschlechtern gespeist, und es ebenso an den Dionysfeslen mit Wein bewirthet haben. Ja, er ver- 
machte schliesslich bei seinem Tode dem Athenischen Volke Jedem eine Mine Jährlich. Herodes Jedoch 
suchte sich nach dem Tode des Vaters mit den Athenern in so weit abzuflnden, dass er Jedem ein für 
allemal fünf Minen ausbezahlte, wobei er sich Jedoch grosse Ungunst bei den Athenern zuzog. 

Seine Bildung erwarb sich Herodes, indem er die vorzüglichsten Philosophen und Redner seiner 
Zeit hörte. Als seine Lehrer werden genannt: Polemon, Favorinus, Scopellanus und der Athener Secun- 
dus. In der Kritik war er ein Schüler des Tbeagenes von Knidos und des Munatius von Tralles ; In der 
platonischen Philosophie unterrichtete ihn Taurus von Tyrus. — Er arbeitete viel und selbst bei Nacht 
war er noch tbälig. Die Bildung, die er sich durch seine Studien erwarb, war eine umfassende, und es 
gesellte sich zu Ihr eine grosse Fertigkeit der Rede, die sich auszeichnete durch Klarheit, Deutlichkeit, 
Reichthum an originellen Gedanken und Witz. Als Jüngling flpelllch von 25 Jahren soll er in einer 
Rede an den Kaiser (Hadrian auf dessen Zuge gegen die Sarmaten 119 n. Chr.) in Paeonlen stecken ge- 
blieben sein, was ihn so kränkte, dass er sieb beinahe in den Istros gestürzt hätte. 

Später aber war er als Lehrer der Philosophie in Athen beliebt und angesehen. Gelllus in seinem 
Buche „Attische Nächte'* betitelt erwähnt wiederholt in sehr anerkennender Weise der griechischen Ge- 
wandtheit und Feinheil in der Rede von Herodes (Gell. nod. AU. 1 c. 2; IX c.2} XIX c. 12). Die- 
ser liebte es auch. Junge Leute, die sich zu ihrer AusbUdung in Athen aufhielten, zu sich zu laden zum 
Mahle und zu wissenschaftlicher Unterhaltung, besonders nach seinen herrlichen ViUen in der Nähe von 









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Atbeo fiach KephtssU. Dieser Ort, am VsUichen Fusse des Pentelischen Gebirges gelegen, zeichnet steh 
DoA heute aus durch seine gesunde und in beisser Sommerszeit angenehm kQUe Lage, durch seinen 
> Retchlhnm an frischen Quellen, durch seine flppigen GIrten mit Obsthiumen aller Art, durch seine 011- 
venwKlder, .Kle und da überragt von schlanken Cypressen, schattigen Platanen oder Silberpappeln, so tiass 
es im Sommer ein Zufluchtsort ist flir den Hof, die Gesandten und vornehme Athener. Wie ganz anders 
aber muss es zur Zeit des Herodes Attikos gewesen sein, wo die Kunst sich mit der üppig spendenden 
Natur zur VerschHncrung des Ortes welteirernd verband ! Wir können das scbüessen aus den reizenden 
Schilderungen, die uns Gellius aus eigener Anschauung von den Villen des Herodes in Kepbissia 
macht. 

Als Früchte seiner wissenscha filichen Tbätigkeit binterliess Herodes, wenn auch nicht mehr lllr uns, 
zahlreiche Schrillen, von denen Briefe, Abhandlungen, Tagesscbriften und Handbücher in der Art von 
Anlhologiceo genannt werden. 

Was seine ö'fl'enlliche Tbä'ligkeit belrlfTt, so zeichnete er sich hierin ganz besonders aus. Seinen 
ausserordentlichen Reichthum wandte er nicht bloss zu prachtvollen Bauten an, sondern er erzeigte auch 
ganzen Städten und Gegenden grossartige Wohlthaten. 

Zwar wird uns aus der Zeit, wo er römischer Consul war, — einem Faktum, das Gellius bei der 
Erwähnung des Herodes nie zu erwähnen verglsst (vergl. die borghesische Inschrift bei Olearius in der 
Anmerkung S. 545 zur Vita Herodia; die Abhandlung von Tb. Heyse „lieber einige Epochen im Le- 
ben des Herodes Alticus mit besonderer Beziehung aur die zweite boi^beslsche Inschrift** in der Zeitschr. 
ilir Alterthumskunde 1839 S.97 7 T.), — keine bestimmte That von Wichtigkeit genannt, aber es wird uns 
erzählt, dass Herodes, als er an der Spitze der freien Staaten Asiens stand (122 n. Chr.) den Kaiser 
Hadrian bewog, Geld zu geben, damit sich die ruhmwürdige Stadt Troas, die sehr schlechtes Wasser 
hatte, Wasserleitungen bauen könnte. Der Kaiser bewiiligte eine bedeutende Summe zu diesem Zwecke ; 
Herodes selbst aber gab, da er, mit der Oberleitung der errorderllchen Bauten betraut, das Werk in sehr 
ausgedehnter Welse ausführen Hess und auch die benachbarten Orte zugleich mit versorgen woHte, mehr 
als das Doppelte aus seinem Eigenen dazu. Ferner richtete er den Thessalern und Maliern heilsame Bä- 
der ein, versorgte Canusium in Italien mit Wasser, und zeigte sich sonst wohllbStig in Epirus, in Euböa 
und dem Peloponnese. Ein Lieblingsplan war es von ihm auch, den Isthmus durchstechen zu lassen, 
dass so ein wirklich grosses, vielen Geschlechtern dauernd nützliches Werk von ihm hinterbliebe. Doch 
er unterliess es , indem er fürchtete, bei dem kaiserlichen Hofe aozustossen, wenn er ein Werk aus- 
führte, das selbst Nero nicht vollendete. 

Wenn Herodes sich durch solche Bestrebungen und Tbaten Dank und gutes Andenken bei Städten 
und Nationen erwarb, so sicherte er sich einen hohen Ruhm durch die prächtigen Bauten, weiche er an 
verschiedenen Orten, besonders In Athen, aufführte. 

Verschwunden ist zwar das Stadion, welches er nach Phllostratus^ Angabe zu Delphi weihte, nichts 
ist mehr übrig von der Schönheit des bedeckten Theaters, oder Odeions, welches er in Korinth bauen 
Hess; nur wenige geringe Bruchstücke findet man noch von den pentelischen Marmorplatten, womit He- 
rodes innerhalb vier Jahren das gewaltig grosse panathenälsche Stadion am Ilissos bekleiden Hess, auf 
den mit Erde bedeckten und mit wildem Thymian und Disteln bewachsenen Seitenwänden, wo sich die 
Sitzreihen der Zuschauer befanden, oder unten In der Arena, die Jetzt im Frühjahre ein dürftiges Ger- 
stenfeld ist. — Deutlich aber erinnern noch die in neuester Zeit wieder ganz aufgedeckten Ruinen des 
Odeions am Südwestabhange der Akropolis an den Mann, der so Grosses zur Verschönerung von Athen 
that, der so viele Wohlthaten erzeigte, der zu sagen pflegte, „man müsse dem Bedürftigen geben, damit 
er nicht Noth leide, und dem nicht Bedürfligen, damit er nicht in Noth käme." 

Dennoch aber blieb er nicht ohne Feinde, und musste auch von ihnen Verfolgung und Spott leiden. 
Es ist bereits erwähnt worden, wie Herodes in Ungunst gerieth bei den Athenern bei der VoUstreckUDg 
des Testamentes seines Vaters Attikos. Diese Ungunst erhielt sich noch längere Zeit, so dass, als 
Herodes einst bei einem Feste der Panalhcnäen im Stadion gesagt halle: „Euch ihr Athener und die 
von den Hellenen , welche zur nächsten Festfeier kommen werden , und die Athleten , welche hier im 
Wettkampfe auftreten wollen, werde ich in einem Stadion mit weissem Marmor empfangen*', und er 
das grosse Werk binnen vier Jahren mit grosser Pracht zu Stande gebracht hatte , man spottend sagte, 
es werde mit vollem Rechte das panathenälsche Stadion genannt, da es von dem Gelde aller Athener aus- 








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geballt sei. Schwere Anklage wurde gegen Ihn erhoben von einem gewissen Demostratos, welcher be- 
hauptete, Herodes habe, als er über die flreieo StVdte in Asien gesetzt war, am Idagebirg die Hand aA 
den nachmaligen Kaiser Anloninus zu legen versucht, während dieser zu gleicher Zeit die Verwaltung 
•Her StSdte In Asien halte. Obgleich Phiiostratus bei der Erzählung dieses Falles nichts w« dem Aus- 
gange des Prozesses erwähnt, scheint Herodes doch unschuldig befunden worden zu sein. Manche spre- 
chen zwar von einer Verbannung; allerdings hielt er sich 'eine Zeitlang zu Orikos in Epirus auf, wo er 
viel bauen Hess und auch eine Weile krank danieder lag, doch eine Verbannung Tand nicht statt. — 
Später gerielh er in den schmählichen Verdacht, dass er seine Gemahlin Aonia Regilla, die aus einer vor- 
nehmen römischen Familie stammte, durch einen Freigelassenen, Alkimedon, habe umbringen lassen. Der 
Bruder der Regilla, M. Atlillus Braduas, erhob selbst die Anklage, jedoch errolglos. Dass man diese 
Anklage für ganz unbegründet erkannt habe, scheint daraus hervorzugehen, dass man dem Herodes bald 
nachher die Ven^allung des Consulates antrug, was er Jedoch damals in der Trauer über den Tod seiner 
Gemalilln ausschlug. Diese Trauer legte er sonst noch in der aurrallendsten Weise an den Tag: sein 
Haus gestaltete er im Innern ganz um, Hess die; Wände mit schwarzen Vorhängen verkleiden oder mit 
dunkelfarbigem iesbischen Marmor belegen. Den Schmuck seiner Gemahlin hing er im Eleusinion auf, 
und ihrem Andenken weihte er das grosse prachtvolle Odeion. 

In seinem Familienlelien halte Herodes ausser dem Tode seiner Gemahlin noch mannicb fache Un- 
glücksfälle zu beklagen. Seine beiden gellebten Töchter Panathena'i's und Elpinike starben ihm früh 
und nach einer Nachrieht bei Lukiaa im Leben des Demonax § 35 auch ein Sobn ; dagegen erlebte er 
wenig Freude an seinem ihn überlebenden Sohne Attikos, der von schwerfälligem Geist und schwachem 
Gedächtniss war, und trotz aller für die Erziehung desselben aufgewandten Sorge doch ein Taugenichts 
wurde, so dass der Vater von ihm voraussagte: tls di W nov f/uöQOi xccvakslnstat evQii oXxia. (lieber 
einen Marathonier, Eukies, Sobn des Herodes, vergl. Leake, Topogr.von Athen^ S.. 156 ed. Balter 
und Sauppe 1844 und Böckh, C. inner. ^.kTl.) 

Heftig betrauerte er auch den Tod seiner Freigelassenen, Achllieus, Polydeukes und Me- 
mnon, die edel und gebildet waren und von ihm wie Ebenbürtige geliebt wurden. Ihre Bildsäulen stellte 
er in Jagdattiluden auf im Walde , auf dem Felde , an Spaziergängen oder bei Quellen im Schatten von 
Platanen, und sprach in den unter den Bildsäulen angebrachten Inschriften allerlei Verwünschungen aus 
über die, weiche sich beikommen lassen sollten, die Statuen zu beschädigen, zu verrücken oder zu ent- 
fernen. Dergleichen Inschriften hat man in Kephissia und Marathon noch mehrere gefunden; sie sind 
vcrölTenlllcht In Böckh's Corp, inacr. N. 989 — 995. Besonders häufig wird Polydeukion in Ihnen er- 
wähnt, ohne Zweifel derselbe wie der erwähnte Polydeukes, den auch Lucian nennt im Leben des De- 
monax § 24 und 33. Es wird da erzählt, dass Herodes in seiner Trauer über den Tod des Polydeukes 
Wagen und Pferde hätte anschaffen wollen, und ihm und seiner Gemahlin ein Mahl halte bereiten lassen, 
gleich als lebten sie noch. 

Ebenso wurde er aufs SchmenKÜchste ergriffen, als ihm zwei Sklavinnen, die er sich besonders hatte 
erziehen lassen, in einer Nacht vom Blitze erschlagen worden waren. Herodes selbst starb in Marathon 
um das Jahr 170 n. Chr. im 76. Lebensjahre an Altersschwäche. Er halle seinen Freigelassenen zwar 
vorher aufgetragen, ihn auch in Marathon zu begraben, allein die Athener Hessen ihn durch abgesandte 
Jünglinge wegholen und nach Athen bringen. Bei der Ankunft des Leichnams zog ihm die ganze Jugend 
unter Thränen entgegen, und man bestattete ihn im panathenäischen Stadion; der Jener Zeit berühmte 
Sophist Hadrian von T>tos hielt die Leichenrede, die die Zuhörer zu Thränen rührte. Vergl. Philoslr. 
Vit. Hadrian» c. 1 ad fin. — Auf dem Grabmale des Herodes stand folgende Inschrift: 

^rrixotJ 'HQtäS^i, Maga^dfiog, ov räde ndvra, 
Kttrat täds zatfoi, ndvvoitev fvööxi/iog. 

Wie geehrt übrigens Herodes auch sonst war, und in welch ehrenvollen Beziehungen er stand, wird 
dadurch bewiesen, dass er mit dem Kaiser Mark Aurel freundschaftliche Briefe wechselte, 






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II. Odeioo and Theater. 

Dass zwischen den Odeen und Theatergebäuden der |ilten Griechen und ROmer kein sehr bedeutender 
Unterschied stattfand, gebt theils aus der rast gleichen Form der noch vorhandenen Ueberreste von bei- 
den, theils auch aus den Nachrichten alter Schriristeller seihst, hervor. Was die Form betriflt, so zeigen 
die am vollständigsten erhaltenen Ueberreste von Odeen dieselben drei Hauptlheile, welche man bei den 
Theatern unterscheidet; nämlich die Orchestra, wo bei dramatischen AulTiihrungen im Theater — 
(dem griechischen wenigstens, denn im rUmiscben berandcn steh nach Vitniv. V c. 6 § 45 Sitze fUr die 
Seoatoren in der Orchestra) — die reierlichen Gesänge und Reigen des Chores stattfanden, femer die 
Cavea mit den Sitzreihen, welche sich in Form von HalbiLreisen oder in grösseren oder geringeren 
Kreisabschnitten um die Orchestra herum erheben, und den Sitzen der Zuschauer gegenOber das Ske- 
nengebäude. Die architektonische Form beider ist so ähnlich, dass man z. B. das Odeion des He- 
rodes lange Zeit, bis auf Chandler (1764) für das Theater des Dionysos hielt, und dass bei derartigen 
Ruinen, die uns aus dem Aiterthum übrig geblieben sind, in Ermangelung bestimmter Nachrichten aller 
Schriristeller die Entscheidung, ob sie einem Theater oder einem Odeion angehörten, noch immer sehr 
schwierig. Ja fast unmöglich ist. 

Auch die allen Schriftsteller selbst wechseln öfter in ihrer Bezeichnung von Odeen : Philostratus 
nennt das Odeion des Hcrodes geradezu O^iarQov; Paiisanias aber nennt es an einer Stelle ß. VII c. 20 
§ 6 schlechtweg tpSeiov, an einer andern B. I c. 8 § G sagt er: tov öi i>fdTQov, S xaXovatv tadtrov^ 
auch beim Scholiasten zu Arislophanes' Wespen 1103 f. heisst das 4^tlov ein zonoi; i^eaiQOfidiji und 
Suidas sagt gleichfalls adeTov äanfQ itiatQov. Aus diesem Grunde mag es auch geschehen sein, dass 
Vilruvius da, wo er von dem Theaterbaue handelt, B. V c. 6 IT. , keine besonderen Vorschriften für die 
Odeen giebt. 

Bei aller dieser grossen Aehnlichkcit des Odeion mit dem Theater muss doch ein Unterschied bestanden 
haben und festgehalten werden. Dieser scheint am sichersten sich zu ergeben aus der eigentlichen Bestimmung 
der Odeen. Während nun im Theater hauptsächlich Dramen, d. b. Tragödien, Komödien und die sogenannlea 
Salyrspiele, welche, wie heutzutage ein heiterer Galopp bei der Rückkehr vom Begräbniss, den Vorstellungen 
von Tragödien zu folg^ pflegten, zur Aufrührung gebracht wurden , wobei natürlich Gesang unter Instru- 
mentalbegleitung auch nicht ausgeschlossen blieb; — dienten die Odeen, wie aus Suidas und Hesychios 
hervorgeht, dazu, um Musiker mit Gesang und Spiel da auftreten zu lassen, und Plutarch im Leben des 
Perikles C. 13 sagt bei Erwähnung von dem Baue des perikleYschen Odeion, dass Peril^les damals (um 
444 V. Chr.) einen musikalischen Wetlkampf am Feste der Panathenäen eingerichtet und, nachdem er 
selbst als Kampfordner gewählt worden, den Wettkampf im Gesänge, im Flöten- und Zitherspiele ein- 
gesetzt habe. 

Hierdurch, scheint es, wird der eigentliche Zweck der Odeen bestimmt, und wenn auch Im Laufe 
der Zeiten auf ganz verschiedene \ycise die Räume solcher Bauten benutzt wurden, so musste sich doch 
in der äusseren Form und der inneren Einrichtung die ursprüngliche Bestimmung ausprägen und dar- 
stellen. 

Obwohl nun schon bei den unbedeckten Theatern der Alten die feinsten Regeln der Akustik, wie 
sie heutzutage von Architekten wenig gekannt und noch weniger angewandt werden, beobachtet wurden, 
damit die Stimme der Schauspieler und des Chors leicht und flrei nach allen Selteo des Zuschauerraumes 



— 11 — 

bindringe vei^I. Vitniv. V c. 6 und c. 9 § 57) , so kam es bei den Odeen noeb mebr darauf an , dass 
die -Melodien und einzelnen Töne bei den musikaliscben Vorträgen zusammengeballen wurden und mit 
höchster Reinheit und Klarheit durch den Raum tönten. Zu diesem Zwecke sctieint es, dass man ausser 
der sorgfältigsten Beobachtung sonstiger akustischer Regeln es noch für nothwendig erachtet habe, die 
Odeen mit einem dem Ganzen harmonisch sich anschliessenden Dache zu versehen; und wir sind berech* 
tigt, das doch als ein charakteristisches Merkmal der Odeen anzusehen. Damit siebt nun auch in engster 
Verbindung, dass die bedeckten Odeen durchschnittlich bedeutend kleiner sein mussten, als die offenen 
Theatergebäude. Das Odeion des Herodes AtUkos in Athen übertraf nach Pausantas B. VII 20. 6 all« 
derartigen Gebäude allerorts, wo Griechen wohnten, an Grösse und innerer Ausstattung, und doch stand 
dieser Bau weil an Grösse zurück hinter den bekannten Theatern von Athen, Argos, Epidauros, 
Sikyoo u. a. 

Da femer die Odeen nicht eigentlich dazu bestimmt waren, dass dramatische Produktionen darin zur 
Auffiibrung gebracht würden, sondern nur, wie der Scholiast zu Aristopbanes' Wespen 1104 angiebt, 
zur Einübung von Stücken, bevor sie über die Bühne des Tiieaters gingen, benutzt wurden, so Ist Je- 
denfalls auch die Bühne nicht so vollständig eingerichtet gewesen, wie bei den eigentlichen Theatern. 

Ausserdem aber dienten die berriichen geschützten Räume der Odeen, ähnlich wie auch die der 
Theater, verschiedenen anderen, der eigentlichen Bestimmung femer liegenden Zwecken. Das Odeion des 
Perikles, welches in der Nähe des Dionysischen Theaters lag, wurde z. B. benutzt als schnell erreich« 
barer Zufluchtsort, wenn während einer Theatervorstellung plötzlich Regen einfiel (vci^. Vitruv. V c 
10 § 59). Es wurden ferner in demselben Odeion Gerichtssitzungen gehalten ; der Archon Eponymos 
sprach hier gewöhnlich Recht, und auch andere Gerichtshöfe versammelten sich hier, wie aus der ange- 
führten Stelle des Schol. zu Aristoph. Wespen hervorgebt; namentlich verhandelte man hier Rechtsfälle 
über schuldigen Unterhalt (vcrgl. Demosth. in Neaeram p. 1363 § 52). Auch wurden Korn und Mehl, 
das dem Staate gehörte, darin aufbewahrt, vermessen und ausgetheilt (vergl. Demosth. tu Phormionem 
p. 918 § 37). Nach der Einnahme der Bergfeste Phyle am Parnespasse durch den kühnen Thrasy- 
bul Ol. 94 i 403 V. Chr. hielt Krltlas, das Haupt der tyrannischen Herrschaft In Athen eine Versamm- 
lung in Jenem Odeion, während die lakonische Besatzung in der andern Hälfte des Raumes unter den 
Waffen stand (vergl. Xenoph. HMtnica i/ c. 4 § 9 f.); und als nach der Vertreibung der drei ss lg 
Tyrannen die Zehn der Oligarchie vorstanden, hielten bewaffnete Ritter mit ihren Pferden darin 
Wache. Dies wird .nicht Wunder nehmen, wenn man die E^ählung aus den Laconicis des Polykrates 
bei Athenäus B. IV 17 S. 139 damit vergleicht. In ihr wird gesagt, dass bei dem Hya kintbienfeste 
in Lakedämon, nachdem der erste Tag in der üblichen Trauer zugebracht worden , am zweiten Tage 
buntes Treiben und grosser Aufzug stattfinde, bei welchem unter Anderem Jünglinge zu Pferde durch das 
Theater ziehen. Als beliebte Plätze zum Dispuliren und Philosophiren dienten den Sophisten die Ein- 
gangshallen der Odeen und die Odeen selbst. (Vergl. Athen. FIII 15 p. 336 Plutarch. de exilio XIV 
p. 605.) 

Es Ist sehr zu beklagen, dass von dem Odeion des Perikles, von dem wir zwar wenige, aber docb 
noch die meisten Nachrichten alter Schriftsteller besitzen, welches Dikaearch das schönste in der Welt 
nennt {mdtiov xäv iv rg oixot^ftiyij xdXXiarov Fit. Graec. p. 8) und das ohne Zweifel wie die übrigen 
Bauten des Perikles ein Muster von Schönheit und Zweckmässigkeit in seiner Art gewesen ist, keine 
Reste bis in unsere Zeit sioh erhalten haben, so wenig, dass man niciit einmal genau den Ort bestimmen 
kann, wo es gestanden hat. Somit sind wir ausser Stande, durch eine Vergleichung beider, der schrift- 
lichen Nachrichten und der Ueberreste, uns ein deutliclies Bild zu gestalten; und Vieles, besonders in 
Bezug auf die Einrichtung der Bühne und auf die Construktion des Daches, wird uns unklar bleiben. — 
Am meisten stossco sich heullge.Archllekton bei diesen Räumen, die biswellen 200 und mehr Fuss Durch- 
messer habVn^ an der Bedachung und leugnen die Möglichkeit dieser, wenn nicht nach dem Centrum zu 
oder in diesem selbst Stützen gestanden hatten, die aber sehr gestört und die Aussicht von den SUz- 
plätzen sehr gehindert haben würden,' und von denen man auch keine Spuren in den betreffenden Ruinen 
geflmden hat. Ueber Jenen Punkt aber ein UrtheH zu milcn, halte Ich mich nicht für berähigt, doch ist 
wohl mit Hecht zu betonen , dass man nicht zu gering denken darf von der Geschicklichkeit und feinen, 
sorgfaltigen Berechnung von Architekten, welche den Parthenon, die Propyläen und das Erechthelon bau- 
ten, und auch nicht von denen der nachfolgenden Zeiten. Plutarch spricht zwar im Leben des Perikles 

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— 12 — 

€. 13 von vielen Säulen und Sitzen im Odeion« indem er es noXvBÖffQv uai noXv<nviov nennt (vergl. 
Theophr. Char, 3 nüaot stcl niw$t vov fpdsiw Diodor. I. 48), doch bt dabei gewiss nicht an Unter- 
stützungen des Daches in der Mitte des Raums zu denicen ; die SSulen bildeten viel wahrscheinlicher ober- 
hall) der Sitzreihen an der Umrassungsmauer eine riogshenim laurendn Säulenballe und ebenso ist das 
BUbnengebaude innerlich und Busserilch mit Säulen und Statuen noch dazu geschmückt gewesen, wie sich 
deren auch aus den Ruinen mancher Theater und Odeen erkennen lassen (vergl. Wieseler's reiches und 
sorgfältiges Werk; „Theatergebäude und Denkmäler des BUhnenwesens bei den Griechen und BOmem, 
über das Theater von Aspendos, von Tauromenlum, das Odelon von Pompeji u. a.), sowie auch aus den 
Angaben des Vitruvlus. Das perlkleische Odelon mit seinem kegeirVrmigen spitzzulauFenden Dache hatte 
nach der Erzählung des Plutarch {Per. 13) und des Vitruv. (B. V c. 10 § 59, wenn auch hier mit einer 
irrthiimlichen Verwechselung) noch eine geschichtliche MerkwQrdigkeit. Es soll nämlich eine Nachah- 
mung von dem Zelte des Xerxes gewesen sein und als Dachsparren Mäste und zur Verbindung derselben 
unter einander Rahen von erbeuteten persischen SchitTen gehabt haben. Lange Zeit stand das vielbe- 
wunderte Gebäude, bis es bei der Belagerung Athens durch Sulla 86 v. Chr. von dem abenteuerlichen 
athenischen Vaterlandsvertheidiger Aristion in Brand gesteckt wurde, damit der Eroberer nicht etwa das 
Holzwerk bei einer Belagerung der Akropolis verwenden könnte (vergl. Appian Bell. Mithr. e. 38). 
Bald nachher Jedoch Hess es Ariobarzanes Philopator, der 64 — 52 v. Chr. über Kappadokien herrschte, 
durch die Baumeister M. und CaJ. Stallius und Menalippus restauriren (vergl. Böckh, C i'fwer. I. 357 f.). 
Wann das Gebäude dann wieder zerstört worden ist, lässt sich nicht genau bestimmen. 

Obwohl die Zahl der antiken Theater bedeutend grösser ist, als die der Odeen, so sind uns doch 
auch von letzteren noch mehrere Ueberreste geblieben, z. B. eines zu Knidos In Kleinasien, ein gut er- 
haltenes in Pompeji , ein anderes in einer Villa bei Neapel , eines in der Villa des Hadrian zu Tibur 
U.a., worüber in Wleseler's erwähnter Schrift die genauesten Mittheliungen gegeben werden; vergl. 
auch Klausen in der Enkyclopädie von Ersch und Gruber unter Odeum. 



m. Clesdüchtliches Ober das Odelon des Herodes Attikos. 

. Die Zeit, wann das Odeioo des Herodes Attikos erbaut worden ist, lässt sieb annähernd aus der 
Nachriebt des Pausanlai B. VII. c. 20. 6 und einer des Phiiostratos, Fita Herod. c. 5 bestimmen, wonach es 
beisst, dass das Odeion geweiht sei dem Andeniten der Regiiia, der Gemahlin des Herodes. Als Pausanias 
sein Buch über Attika schrieb, was unter dem Kaiser Uadrian geschah (vergl. Leake, Topogr. von Athen, 
Einleit. S. 20), war der Bau des Odeion noch nicht begonnen, wesswegen wir auch dessen Erwähnung 
in Jenem Buche natürlich vergebens suchen. Regula starb nämlich erst 160 p. Chr. 913 a. u. c. (vergl. 
Corsini Fast Attid IV. p. 173). Somit Hillt der Bau des Odeions in die letzten zehn Lebensjahre des 
Herodes. Obwohl sich hie und da Spuren der Eile finden, so wurde das Werk doch prächtig aur- 
geführt. 

Seinem Zwecke hat Jedoch der prachtvolle Bau mit seinen glänzenden Silzstufen von penteliscbem 
Marmor, seinen Säulen und Statuen nicht lange gedient. Frühzeitig hat die Zerstörung ihr Werk begon- 
nen, und der den Musen geheiligte Raum wurde bald ein Zufluchtsort gegen kriegerische Einfälle feind- 
licher Barbaren. Das Odeion wurde bewohnt und befestigt von Leuten, die hinter den sichern Mauern 
der Akropolis kein Unterkommen mehr finden konnten, sich aber hinter den starken und hohen Quader- 
mauern des Odeions so nahe unter der Akropolis für gesichert genug hielten. Die Bühne wurde da Jeden- 
falls gleich zuerst ihres Holzwerks beraubt und auch, wie die Ausgrabung gezel^ hat, das Hyposkenion 
mit Schutt und Erde ausgefiillt, ebenso Säulen und Statuen bis auf geringe Reste fortgebracht. Das ist 
ohne Zweifel schon f^üh geschehen, da man in den untersten und auch In den obern Schichten vertiältnlss- 
mässlg sehr wenige Statuen und Säulenreste, die nicht einmal alle dem Odeion angehört haben können, 
gefunden bat. Es muss auch ft'über geschehen sein als der furchtbare Brand ausbrach, welcher soi augen- 
räilige Spuren bis auf den Boden der Orcbestra zurückgelassen hat. Nicht bloss zeigt das Getäfel des 
Fussbodens , zeigen die Sitzstufen noch Jetzt eine schwärzHciie Farbe , sondern der zu Kalk gebrannte 
Marmor, die gefundenen Holzkohlen, Schlacken von Erz und Eisen, öfter mit Erde und Ziegeln zusam- 
mengeflossen, wie auch verkohlte Menschenknochen, erzählen deutlich genug von der Gluth des Feuers. 
Es ist anzunehmen , dass dieser Brand stattfand bei einem der sich im 3. , 4. und 5. Jahrhundert nach 
Chr. Geb. öfter wiederholenden Einfälle von Barbaren, vermuthllch der Gotben. Dass er aber bei Alaricb's 
Zuge von den Thcrmopylen durch Böolien über Theben nach Athen verursacht worden sein soll, ist nicht 
wahrscheinlich. Es wird Ja erzälilt, dass dieser mächtige Golhennihrer durch den Anblick der kolossalen 
Erzstatue der Athene Promachos, die ihm schon von Weitem riesig und drohend selbst noch über den 
Parthenon hin sich zeigte, und durch eine vor der Mauer stehende Statue des Achill vor Unbilden gegen 
Athen zurückgeschreckt worden und, nachdem er gastlich In Athen aufgenommen und Geschenke empfan- 
gen, als Freund nach dem Peloponnese weitergezogen sei, im Jahre 396p. Chr. (vergl. Zosim. V, 5 und 
Leake's TopogT., Einleit. S. 37 u. 38). 

Während das Odeion in den kriegerischen Zeiten von zahlreichen Menschen als Zufluchtsstätte 
gegen feindlichen Ueberfali aufgesucht wurde, entstanden eine Menge Wohnungen und Hütten darin und 
zahlreiche Cistemen wurden angelegt. Der offen daliegende Marmor, zu Kalk gebrannt, gab ihnen das 
beste Material zu ihren Bauten und an Bausteinen fehlte es Ja auch nicht. So wurden die Sitze ihrer 
Bekleidung beraubt; gewiss aber nicht allein in Jener Zeit, sondern nachher hat man ohne Zweifel auch 
unter den ftünkischen Herzögen, die auf der Akropolis in den Propyläen Hof hielten und manche Umbau- 
ten vornahmen, das Odeion des Herodes als einen bequemen Steinbruch benutzt und daselbst für das 



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— 14 — 

befestigte Ausscnwerk an der Stelle der Stoa Eumenia und für die Ausbesserung der Akropolismauern 
Marmor zum Kallcbrennen und Vermauern wegbolen lassen. 

Indess muss die Verschültung schon da zu einer ziemlichen HOhe gestiegen sein, da die Ven^'üstun- 
gen nicht viel über das milllcre Diazoma hinabgehen. 

Aus viel späterer Zeit erst erhalten wir wieder Nachrichten über das Odeion von Alterthumsror- 
Sehern oder sonstigen Reisenden, welche Athen besuchten. In der Beschreibung Athens von einem unge- 
nannten Griechen aus dem 15. Jahrhundert, woraus K. 0. MUlier einen Auszug machte (vergl. Leake, 
Topogr. S. 346 r.) , werden in der Nähe der Akropolis Gebäude genannt mit Bezeichnungen , welche die 
gänzliche llnkenntniss damaliger Zeit über die Oertiicbkeit von Athen durtbun. Unter einem der ge- 
brauchten Ausdrücke wie dida<i*aXilov des Sophokles oder palatia Cleonidis et MHtiadi» oder 
dtdatSxaXslov Ariaiotelia wird wohl das Odeion des Herodes verstanden werden müssen. Im Jahre 
1573 erkundigte sich ein tUhinger Professor Martin Kraus oder Crusius bei Griechen zu Constantlnopel 
über die Zustände und Besehe fTenbeit Athens. In einem Antwortschreiben von einem dieser Herren, Sy- 
meon Kaväila aus Akarnania (d. h. Arta), bekommt Crusius ähnliche Ausdrücke wie die obigen zu lesen, 
z. B. Palast des Themistokles, Arsenal des Lykurg u. a. 

Ein um das Jahr 1674 zu Athen lebender Jesuit, Pater Babin, nennt in einem Briefe an den tüch« 
tlgen Aiterthumsforscher und Arzt zu Lyon, Dr. Spon, die Ruinen des Odeions die des dionysischen Thea- 
ters, und spätere Reisende, wie Spon, Wheler, die 1675 Athen besuchten, ferner die verdienstvollen Eng- 
länder Stuart und Revett, welche in den Jahren 1751—54 ihre sorgra'itlgen Studien und Sammlungen von 
Zeichnungen machten, behielten Jene Bezeichnung bei. Erst Dr. Chandler, der im Auftrage der Gesell- 
schan der Dllettanli mit Anderen, darunter auch wieder der Architekt Revett, 1764 In Athen war, findet 
die richtige Bezeichnung heraus, venvechselt es aber doch auch mit dem perikieischen , Indem er meint, 
Perikles habe es geweiht, Herodes dann restaurirt. Ohne Zweifel hatte kurz vor den Reisen der letzt- 
genannten Forscher das Odeion grosse Beschädigung erlitten , wie auf der Akropolis in bedauernswerther 
Weise der Parthenon bei der Belagerung der Akropolis durch den venetianischen Admiral Morosini Im 
Jahre 1687. Abgeschlagene Quaderstücken und Löcher in dem Mauerwerk tragen noch die Spuren der 
grossen Kugeln, und es sind dabei auch gewiss manche von den hohen Bogenfenstern an der Bühnen- 
mauer zusammengeschossen worden. 

Durch Menschenhand und Regen halte sich im Laufe der Zeiten das versrhültcnde Geröll und die 
Erde mehr und mehr erhöht, so dass die Sftzslufen bis nahe an die Brustwehr vor dem südlichen Ein- 
gange der Akropolis ganz verdeckt waren, und dass der kühne Philheiienenführer Fubvier während der 
Akropollsbelagerung durch die Türken mit einer Schaar entschlossener Philhellenen und regulärer Solda- 
ten durch das verschüttete Theater hindurch zur Akropolis gelangen und der Besatzung die von Phaieron 
her auf den Armen gebrachte Munition überliefern konnte, den ^4* Deccmber 1826. An diese glorreiche 
That erinnert eine Gedenktafel von weissem Marmor, welche nach dem Tode des Generals im September 
1855 an dem Südwestflügel des Odeions eIngcrUgt worden ist. 

Nach dem Befreiungskriege wurde der Boden des Odeions bis zur Ausgrabung mit Gerste besäet, 
was schon vorher geschehen war und bei ausgedehntem Ruinen, wo sich Erde angehäuft hat, z. B. im 
Dionysostheater und Stadion, noch Immer geschieht. 



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IV. AuBf^rabangsbericIit. 

(Die folgendea Notixen Terdanke ich grüsstentheilg gütigen Mittheilungen deg Herrn Pittakis, welcher, mit der Ober- 
leitung der Ausgrabung betraut, ein vollständiges Tagebuch während der Zeit der etwa 1^ Jahr lang fortgesetzten Arbeiten ge- 
führt hat, und in der nächstens erscheinenden 'EtprjfJLeQls dQX''^oi.O}'txrj einen längeren Artikel über die Resultate der Ausgra- 
bung publiciren wird.) 

Schon im Jahre 1S48 Hess Herr Pittakis, Obcrconservator der Allcrlhüraer in Griechenland und 
Herausgeber der Archäologischen Ephemeris, aur Kosten der Jetzt nicht mehr bestehenden Archäologischen 
Gesellscban von Athen einen kleinen Theil des Odeions an der gegen Süden stehenden Skenenwand rei- 
nigen und gelangte, ohne dass die Ausgrabung besonders wichtige Ergebnisse liererte, bis zur Schwelle 
der drei Thüren in der Skenenwand und den beiden Seilenthüren. 

In ausgedehnter Weise aber und mit mehr Energie konnte die Ausgrabung, da hinreichende Mittel 

zur Verfügung standen, im Jahre 1857 den ^^ '^j',*','^^'" von Neuem begonnen werden. 

Man flng von Aussen an und reinigte zuerst den Pialz vor dem Bühnengebäude soweit, dass die 
Eingänge zur Skene an der Südseite vollkommen Trei und von dem neu angelegten Boulevard für Karren 
zugänglich waren. DarauT schritt man nach dem Innern vor, und indem man zunächst die Sitzslufen 
biossiegen wollte, blieb die Orchestra bis auf etwa 8 Fuss noch mit Erde und Schult bedeckt, damit 
einerseits die Karren einen bequemen Ausweg hätten , was bei soforliger Ausgrabung der Orchestra nicht 
der Fall gewesen wäre, und dass andererseits auch der Boden der Orchestra geschont werden möchte. 

Bemerkenswerlh ist zunächst die Menge von Wasserbehältern, Cisternen, welche man ausserhalb 
und besonders innerhalb des Odeions in den verschiedenen Schichten des Sciiuties, wohl gegen 70 an der 
Zahl, gefunden hat. Sie waren entweder mit Steinen und viel Kaik in der Form grosser bauchiger Krüge 
gebaut, oder waren aus gebrannter Erde in einem Stücke gemacht und in den Boden eingelassen. Ihre 
Menge legt zugleich einen Beweis dalür ab, wie gross in den verschiedenen Zeiten die Anzahl der Be- 
wohner gewesen sein muss, welche in dem Gebäude vor feindlichen Ueberfallen einen geschützten Zu- 
fluchtsort suchten. So wurden schon vor dem westlichen Eingange drei grosse Cisternen, aus Kalk und 
Steinen gefertigt, gefunden. Die eine hatte eine Tiefe von fast 8 Fuss und einen Durchmesser von 2 Fuss 
3 Zoll. Die anderen waren weniger tief und breit. Sie w urden , weil sie im Wege standen , abgebro- 
chen ; nur eine Hess man längere Zelt stehen, damit sie als Beispiel gesehen werden könnte von den zahl- 
reichen Besuchern, die täglich zum Theater kamen. 

Vor der östlichen Seite des Odeions entdeckte man vier Cisternen, welche wie grosse Krüge aus 
Thon gebrannt waren und deren man Jetzt noch alle Tage ähnliche in Griechenland sehen kann, wenn 
man in die Häuser der Bauern kommt; da stehen sie mit Oel oder Honig oder anderem Stoffe gefiillt an 
der Wand oder in der Ecke. Einer von jenen vier thönernen Wasserbehältern ist glücklich herausge- 
bracht worden und steht zur Schau in der Ostecke der Bühne. 

Sowohl auf den obern Sitzreihen nach dem Südeingange der Akropolis zu, als auch auf den untern, 
mehr In der Mitte, fanden sich zahlreiche Cisternen der beschriebenen beiden Arten. Gegen 40 grosse 
und kleine wurden nach und nach aufgedeckt, der grösste Theil abgebrochen und von einzelnen nur Hess 
man die H&ifte oder einen Rest auf dem blossgelegten Boden für spätere Besucher zur Betrachtung übrig. 
Es können übrigens diese Cisternen wegen der Menge in sie vermauerten und verstrichenen Kalkes als 
Ueberbleibsel von den obern Sitzstufen mit gelten; denn diese fehlen alle und sind nach und nach theUs 
vermauert, theUs zu Kalk gebrannt worden. Auch die Marmorplatten des Diazoma oder Umganges in 



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der Mitte der SitzstufeD fehlea bis auf ein kletnef SUkk. UM aoeh dt wlfli Bat lieht 
ben walten lassen, wenn nicht, wie Herr PIttakIs aus deuUlciieB SpwM giMM »tü Mt mn u 

an Jener S^lle ein kleines Rirchlein gestanden h&tte, wie es deren In Grieehenland noch manche gibt. Ja 
selbst in Alb^n, z. B. die etwa 7^ Fuss hohe, 10 Fuss lange, an eine einzelnstehende rOmische CipalNn- 
Säule angebaute Kirche des Ilagtos loannis beim Theater. Herr Pittakis Tand n&mlich Spuren von Bil- 
dern und solchen Verzierungen, wie man sie unter den gewöhnlichen Kirchenmaierelen anzubringen pflegt; 
femer entdeckte er ein Stück Kreuz daselbst und ein Amulett, worauf er das Bild der Mutter Gottes mit 
erhobenen HSnden erkannte, dann ein WassergefSss und winkelrecht gehauene Steine als Ueberbleibsel 
des Kirchleins ; auch drei Münzen fanden sich .vor, auf deren einer ein Kreuz geprägt war, deren andere 
beiden den Stempel Constanlin's des Grossen trugen. 

In der nämlichen Erdschicht, ein wenig unter dem Diazoma, ward ein thOnemer Topf aufgeftinden. 
Da er schwer war und die Arbeller glaubten, es sei Geld darin, zerbrachen sie Ihn wHhrend der Abwe- 
senheit des Herrn Pittakis. Es war aber weiter nichts darin als verrostete und durch den Rost zu- 
sammengebackene ElsenstUclie. 

Oestlich von dem Kirchiefn sliess man auf ein Mauerwerk, aus Steinen und Kalk gebaut, etwa 12^ 
Fuss lang, beinahe 9 Fuss hoch und über 9 Fuss tief; dabei befanden sich zwei Cisternen, von Kalk und 
Ziegeln gemacht. In der Nähe deckte man ein kleineres Häuschen auf mit zwei thOnemen Cisternen da- 
neben.* Westlich von dem erwähnten Kirchlein zeigten sich noch mehrere Häuserruinen und vier Cister- 
nen, bei deren einer der Steinboden einer Presse für Oel oder Wein lag. Auch ein Stück Sonnen- 
uhr von pentelischem Marmor ward gefunden, das sich mit vielen andern Bruchstücken noch im Odeion 
beflndet. 

Höchst überraschend war es, in der Schicht über dem mitliern Diazoma durch den ganzen Raum 
des Odeions hin in einer Mächtigkeit von durchschnllllich 9 Fuss ein Lager gewundener, meist zerbro- 
chener Häuser einer grossen Meerschneckenart zu finden. Diese Häuser sind 3 Zoll lang und haben 1^ 
bis 2^ Zoll Durchmesser, die Zacken mitgerechnet. Die Schale Ist dick, äusserllch weisslich mit melir 
oder weniger matten rßlhiichen oder violetten Streifen längs der Tünf Windungen der Schnecke. An der 
weiten Oetfnung beflndet sich ein sclinabelarliger Fortsalz mit einem engen Kanäle, der mit eben so schö- 
nem emailarligera Ueberzug bedeckt Ist, wie das Innere der Schnecke. Sachkundige Zoologen werden 
entscheiden können, ob die Schnecke etwa die Purpurschnecice sei und so die Ansicht derer bestädgen, 
welche meinen , es habe bei dem Odeion eine Färberei bestanden , in der diese Schneeigen benutzt worden 
seien, aus der man aber die Schalen in das Odeion hingeworfen hätte. Dazu würde ganz wohl die No- 
tiz übereinstimmen , nach welcher unter den fränicischen Herzögen unter andern Industriezweigen beson- 
ders die Seidenmanufaktur in Athen, Theben und Korinth einen weit verbreiteten Ruhm gehabt habe 
(vergl. Finlay's Griechenland Im Mittelalter). So würde auch die ohnehin nicht wahrscheiniiche Annahme 
Zusammenrallen, nach weicher man die Schnecken gebraucht hHlte, um sie vor einem feindlichen Heber- 
falle in der Ebene zu verstreuen als Fussangeln für die Reiterei der Feinde. Allerdings sind die an den 
Windungen beflndlichen Zacken ziemlich spitz. — Etwas westlich von dem Centrum der Orchestra ent- 
deckte man einen tiefen Brunnen, dessen Wasserfläche noch ziemlich tief unter dem durchgebrochenen 
Boden der Orchestra lag. Die Umfassungsmauer des Brunnens aber ruhte auf dem antiken Boden und 
Ihre ganze Höhe bis oben hin soll an 38 Fuss betragen haben. Oben aa der Mündung lag ein grosser 
Steinblock, für einen grossen Wagen fast zu schwer zum Fortschaffen; darunter zeigte sich viererlei 
Mauerwerk, erst von Steinen und Kalk, dann unregelmässigen Ziegeln und Kalk, weiter unten regelmäs- 
sige Ziegeln und Kalk und zu unterst flinf grosse Steine und ein mannshohes Stück Säule von etwa 
2 Fuss Durchmesser. 

Nach der Reinigung der Sitze bis drei Stufen unter dem Diazoma legte man auch die Orchestra 
bloss, und fand in einer obern Schicht verschiedene un regelmässige Steine mit wenig Erde, darunter aber 
Ziegeln und Kohlen. Beim Vordringen nach der Skene hin zeigte sich, dass die Skenenbrüstung in dem 
mitliern TbeUe ganz zerstört und nur noch an den Seiten da war, dass dagegen eine spätere Mauer etwa 
von der noch erhaltenen östlichen Treppe, welche auf die Skene fUhrte, an dem Brunnen vorbei bis nach 
den Sitzstufen der westlichsten Kerkis (cuneus) In einer Höhe von mehreren Fuss und 2^ Fuss Breite 
^ufgelUhrt war. Hier fand man die Büste eines Knaben. 

Dann wurden vom Boden der Orchestra Trümmer von gutgearbeiteten Ziegeln zu Tage gefördert, 



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— 17 — 

ferner ▼erstämmelte ArcbflekturstUcke, 6 Köpfe von Bildsäulen, dann eine Menge von Sehlacken und 
Kohlen (nach Pittakis* Angabe von dem Cedemholze des Daches). Die letzleren Gegenstände sprechen 
deutlich genug für eine grosse Feuersbrunst, deren Gluth den Marmor der Sitzstufen theils oben ab- 
springen Hess, — z. B. waren fast alle LöwenklaueA, welche an der ersten Sitzreihe an den Seiten der 
Aufgangstreppen, wo Jene Reibe wahrscheinlich eine Armlehne hatte, abgesprungen und im Schutte mit 
vergraben, — theils ganz zu Kalk gebrannt, und das Metall, von Statuen wahrscheinlich, so zusammen- 
geschmolzen hat, dass Erde, Ziegeln, Nägel, Holz mit den Schlacken sich zu einer Masse verbin- 
den konnten. 

Auch müssen Menschen bei dem Brande verunglückt sein, denn man entdeckte verkohlte Knochen 
von etwa zwei Menschen, deren einer mit dem Munde zur Erde gefallen und so liegen geblieben zu 
sein schien. Dabei fand man eine Kupfermünze, deren Gepräge durch das Feuer undeutlich geworden 
ist , aber nach Pittakis' Angabc sich doch als das Athenische mit Eule und andererseits dem Athenenkopfe 
erkennen lässt. 

An andern Stellen der unteren Schicht fand man Stücke von Erz, vielleicht von Gewandt - Statuen 
und Gefässen der sogenannten ^x^ta, wie Herr Pillakis annimmt. In der untersten Schicht entdeckte man 
auch eine Anzahl grosser eiserner Nägel, vcrrauthllcb zur Verbindung des Holzwerkes, und kleinere 
hakenartige zur Befestigung der pentelischen Marroorplalten an den Porosquadern ; desgleichen lange Eisen- 
bänder, die zur Verbindung von Balken gedient zu haben scheinen. — 

Bei der Blosslegung der Skene ergab es sich, dass von den Balken, auf denen sie ruhte, und dem 
auf diesen liegenden Holzwerke nichts mehr da war. Dies muss frühzeitig weggenommen und der Raum 
des Hyposkenion mit Erde und Schutt ausgefüllt worden sein. Es ward hier wenigstens nichts gefunden 
von Kohlen und Schlacken, wohl aber Stücke von ThongeTassen kamen zu Tage, wie sie sich in alten 
Gräbern gefunden, und ausserdem Stücke von Lampen aus gebranntem Tbon. 

An der von Ost und der von West her durch die Seitenwände auf die Skene führenden Thüre 
lagen gegen 150 grosse Ziegelsleine unregelraässig durch einander und 3 Stücke Cedemholz (?) eine Elle 
etwa lang und 15 — 16 Zoll im Umfange hallend , welche an der Lufl zusammeotrocknelen und in 
kleine Stücke zerfielen, während sie unler der Erde verborgen Ihre Geslall fast unversehrt erhalten hat- 
ten. Bei dem ForlscbalTen des Schuttes aus dem Baume unter der Bühne fand man die Mauer eines 
Reservoirs von clwa 38 Fuss Länge, 4 Fuss Höhe und 2^ Fuss Dicke. Sie war jedoch nicht überall 
fertig, an der unvollendeten Südseite lagen zwei Haureo , der eine von reinem Kalk, der andere von 
Ziegelmehl, Sand und anderem Bindematerial. 

Der mittleren Thür in der Skenenwand gegenüber, nahe an der Stelle, wo die Skenenbrüstung ge- 
standen haben muss, wurde in der Erde ein grosses Loch entdeckt, von über 7 Fuss Tiefe und 3' X 2^' 
an der OetTnung. Rechts und links davon befanden sich längs der Skenenbrüstung ]e vier kleinere 
Löcher, 4' etwa lief mit einer OefTnung von 1x1 Fuss. Während diese kleinen Löcher mit Ziegeln 
guigemauerte glatte Wandungen haben, zeigt sich in Jenem der rohe Fels des Untergundes ; in diesen 
fanden sich Menschenschädel (Herr Pillakis meint von Gladiatoren) und zugleich auch Stierschädel! Als 
die beiden Gänge, welche aus der Orchestra an der Skene entlang und dann unter den verlängerten 
Sitzreihen hinweg nach Aussen füiiren , von dem Schult und der Erde befreit wurden , kam in dem west- 
lichen Gange eine lebensgrosse Statue ohne Kopf zum Vorschein unler feinem, sleinlosem Sande, gleich 
als hätte man sie hier auf diese Welse schonend verbergen wollen ; ferner das Bruchstück eines gut 
gearbeiteten weiblichen Kopfes und noch andere Skulplurslücke. Im westlichen Gange lag bei einer 
Nische, wie eine entsprechende auch im östlichen ist, eine Basis, die oben roh ausgeliert ist. Ob dieses 
deswegen gemacht ist, damit eine langgewandige weibliche Figur da halte stehen können, wie Herr 
Plttakis annimmt, lassen wir dahingestellt sein. 

Nach Beendigung der Arbeiten im Innern schritt man dazu, üusserlich auch die Flügel von der sie 
bedeckenden Erde zu befreien. Bei dieser Arbeit entdeckte man am Ostende eine Art kleines Vorhofs, 
der mit grossen Ziegeln vermauert war. Er halte ursprünglich drei Thüren. Durch die südliche trat 
man von Aussen ein, und ihr gegenüber war eine geblendete, oder vielmehr eine Bogennische, durch die 
westliche -gelangte man zu der Treppe, welche äusserlich hinauf zum milllern Diazoma führt. Die dritte 
Thür führte gegen Osten und zwar nach der benachbarten oder einst selbst an das Odelon anstossenden 
Stoa Eumenia hin. Zur Hälfte war auch sie zugebaut mit grossen Ziegeln, dpch zeigte sich bald ein 

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— 18 — 

unterirdischer, oben gewölbter Gang, 16' lang und A' breit, an der uubebiliriicb gemachten Wöibung 
versehen mit drei runden weiten Thonröbren zum Eindringen des Lichtes und der Luft. Der Gang führte 
auf 7 ungleichen Stufen abwärts nach einem kegeiförmigen Gemache von 7 Fuss Hübe und 5^ Fuss 
unteres Durchmessers. Oben hatte der Raum eine OelTnung und unten einen Brunnen mit einer obern 
Mündung von 2 Fuss 2 Zoll, so dass man von obenher durch die obere OelTnung und auch von dem 
befestigten Hofe her Wasser holen konnte. Beim Ausgraben dieses Tbeiles fand man den Kopf einer 
kleinen Figur aus parischem Marmor und eine byzantinische Inschrift. Wie weit sich der Oslflügel des 
OdeioDs fortsetzt in dem untern Stockwerke, und wie etwa die Verbindung gewesen ist mit der Stoa 
Eumenia , die sich einst zwischen dem Odeion und dem Dionysischen Theater befand , lä'sst sich Jetzt 
noch nicht sagen , da das Erdreich noch hoch an Jenen äusseren Mauern aufgeschüttet daliegt. 

An dem Westflügel beflndet sich , entsprechend dem erwähnten Räume mit den drei Tbüren , ein 
ganz ähnlicher, nur ist dort die nach aussen rührende Thür mit einer sehr starken und ziemlich gut ge- 
fügten Steinmauer geschlossen, so dass die reiche Gliederung des linken Pfostens gar nicht mehr von 
vorn zu bemerken ist. Die Mauer gehört sonach augenscheinlich nicht zum ursprünglichen Baue, scheint 
aber sehr fHih gemacht zu sein, wohl bei der ersten Gelegenheit, wo man Grund fand, sich im Odeion 
zu befestigen. Dass übrigens an der Ostseite eine Verbindung mit der Stoa Eumenia stattgedinden haben 
muss, scheint auch daraus zu folgern, dass Jener am Oslflügel nach dem Dionysostheater und der Stoa 
hin führenden Tbür keine in dem entsprechenden westlichen Räume entspricht. Beim Ausgraben des 
weslUchen befestigten Raumes trat eine trümmerhaite Säule zu Tage mit sehr tiefen Canelüren. In den 
obem Räumen des Odeions, da, wo es sich den Befestigungen der Akropolis nähert, fand man IK tief 
unter der obersten Erdschicht eine mächtige Bombe und In den verschiedenen Schichten verschiedene In- 
schrirten und Münzen. Vergl. Abscbo. VI. 



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V. Beschreibung^ des Odeions. 

Wenn man westlich vom Hadriansbogen den neuen, mit zierlichen Prefferbäiimen bepflanzten Bou- 
levard am sUdllchen Abbange der Akropolis entlang geht, so erblickt man schon von Weitem die hohen 
Bogenfenster, welche an der Bühnenwand und den Seitenflügeln des Odeions in den blauen Himmel em- 
porragen. Das Odelon lehnt steh an den Südwestabhang des Akropolishügels , von dem der hohe vier- 
eckige Thurm der fränkischen Herzöge — fremdartig, obwohl aus klassischem Material gebaut, — links 
davon der prächtige kleine Niketempel und mehr rechts der Westgiebel des Parthenon herunter schauen; 
es richtet seine Front gegen Süden nach dem lang gestreckten Hymeltos, nach dem Meere und der öden 
zwischen beiden sich hinziehenden Seeebene. Wir treten unmittelbar durch einen der Jetzt vergitteiten 
Eingänge in das Innere des Odeions ein, um zunächst die Orchestra, den Zuschauerraum, das BUhnenge- 
bäude und dann das Aeussere des Odeions näher ins Auge zu fassen. 

Zur grössern Deutlichkeit der Beschreibung beziehe ich mich auf den beigefügten Plan. Er ist ent- 
standen durch die gemeinsame Bemühung der vor einiger Zeit hier anwesenden, Jungen, eifrigen Archi- 
tekten Ende aus Berlin, Böckmann aus Elberfcid, Kaiser aus St. Petersburg und von mir. Den Vor- 
zug grössimögiicher Vollständigkeit und Genauigkeit an dem Plane schreibe Ich Jedoch mit Freuden der Um- 
sicht und Sachkunde der genannten Herren zu. 

Die Orchestra (A), so wie dieser Raum durch die Bekleidung des Fussbodens als selbständig 
erscheint, bildet eine halbe Ellipse, die um die Breite der Zugänge (D), welche von Ost und West her 
auf die Orchestra münden, grösser Ist, als ein Halbkreis. Der Boden derselben ist belegt mit quadrati- 
schen Marmortafeln : es wechseln dabei Platten von weissem pentelischen Marmor mit mattgrün-, gelb-, 
grau geäderten Cipoilinoplalten aus Karystos ab, wie ich durch die kundige Aussage des Bildbauers, 
Herrn Professor Siegel hier, belehrt worden bin. Die Quadrate werden, wie auch der Plan zeigt, 
wiederum eingefasst von drei Streifen Marmorplatten, wovon die breitere in der Mitte von penteliscbem 
Marmor, die äusseren von Cipollin sind. Merkwürdig ist der aus Ziegelsteinen gemauerte 1 Fuss breite 
Kanal, welcher sich unter dem breiten Streifen in der Mitte hinzieht. Es ist nicht recht deutlich, was 
seine Bestimmung war. Von Manchen ist er mit angeführt worden als Beweis dagegen, dass das Odelon 
eine Bedachung gehabt halte, und man behauptete, er habe gedient als Abzugskanal für das von oben 
in die Orchestra einströmende Regenwasser. Jedoch wird dies schon dadurch unwahrscheinlich, dass der 
Streifen von Platten keine regelmässigen Oefl'nungen zum Ablaufen des Wassers zeigt und auch dasselbe 
Niveau wie die ganze Orchestra hat. 

Von einer Thymele (Dionysosaltar), die bei den griechischen Theatern in der Mitte der Orchestra zu 
stehen pflegte, findet sich im Odelon keine Andeutung und es ist möglich, dass die Orchestra öfter ein- 
genommen wurde von Sesseln , welche für ausgezeichnete Personen bcslirani^ waren. Darür spricht auch 
die Höhe des Sprechplatzes auf der Bühne (pulpitum oder loytTop) ülier dem Boden der Orchestra. Wäh- 
rend nämlich VItruvius bei griechischen Theatern als Höhe des Puipitum 10 — 12 Fuss angiebt (B. V 
c. 8 § 54), besliraml er bei den römischen aus dem Grunde, weil In der Orchestra Sitze für Senatoren 
sind, als äusserste Höhe für das Pulpitum nur 5 Fuss (B. V c. 6 § 15) und dies scheint mit der zu 
ergänzenden Höhe des Pulpitum Im Odelon zusammenzustimmen. Diese ist nämlich 4^ Fuss hoch. Die 
Zugänge zu, oder die Ausgänge von der Orchestra {D) ziehen sich an der Brüstung der Bühne hin und 
heben sich da, wo oberhalb die Zuschauersitze sich bis zur südlichen Queerwand hinziehen, und Pfeiler 

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am 4er Seite alt Trifer der Sitze aur«tclgen, um eine Stufe, welter liln noch um drei. An diesem Orle 
beftidet lieh gegea Nordeo liin lo der Mauer Je eine Bogennlsciie , fUr Slaluen besllmmt. Gegen Sü<lea 
Uo Olfkiet aicii eine Tlittr, durcli weiclie man auf 5 Sturen Qelzt nur nocli 4) emporsteigend in den einst 
iü>erw9Ibten Raum (E) und dann ins Freie gelangte. 

Der Zuscliauerraum (B) uollof bei den Grierlien, earca bei den Römern genannt, lehnt sich, 
alimShlig aursteigend, an den Felsen der Akropolis an, dieser ist Jedocli an den Flügeln in Ost und West 
von staricem Mauerwerk bekleidet, und wird von diesem hoch überragt. Die gerundete Fl&cbe fUr die 
Sitzreihen ist allerdings aus dem Felsen gehauen, doch haben diese selbst auch Unterbau von Steinen und 
Mörtel, oder sind wenigstens in Mörtel eingelassen. Uebrigens gewähren die Dogenlinien der Sitzreihen, 
soweit diese noch erhalten sind , In ihren perspektivisch verlaufenden Schwingungen einen schönen An- 
blick. Ein nicht gar breiter (nach dem noch vorhandenen Stück Marroorbekleldung zu schliessen, kaum 
4' breit) Gang (d«äCa>/i*a, praecinctio) tbeilt das Ganze in einen obern und einen untern Raum von Sitz- 
reihen. Ferner werden diese wieder diagonal geschnitten durch die Gehlreppen , welche strahlenartig in 
die Höhe auFsleigen. Solcher Gehtreppen sind im untern Räume sechs; im obern aber, oberhalb des 
Diazoma, geht der Vorschrift des VItruv (B. V c. 7 § 48) gemäss zwischen Je zwei der sechs Gehlrep- 
pen noch eine in der Mille hinauf, zusammen also 11, und diese scheiden demnach im untern Räume 5, 
im obern 10 KreisstUcke mit Sitzplätzen ab, die sogenannten Keile (xfQuidff, cunei). Somit wird durch 
die neue Ausgrabung die irrthümüche Annahme Canina's berichtigt, der In seinem restaurirten Plane, 
wie er in Fr. Wieseler's obengenanntem Werke mir vorliegt, 8 Gehtreppen im obern und untern Räume 
annimmt, und dieselben noch dazu nach oben breiter werden lässt, was durchaus der Wirklichkeit wider- 
spricht; denn wenn man die Breite der Gehlreppen Ober der "Orchestra und dann am milllern Diazoma 
misst , ergiebl sie sich als gleich, und es ist durchaus nicht vorauszusetzen, dass sie In dem obern Räume, 
wo sie, wie aller Marmor, verschwunden sind, grösser wird. 

Die Zerstörung, welche die Marmorbckleldung der Stufen erfahren hat, und die im obern Räume 
vollständig ist, so dass nur hie und da noch stufenarlige Andeutungen in dem aus kleinen Steinen und 
Mörtel bestehenden Unterbaue, und die das Diazoma nach obenhin abgrenzenden Porosquadern mit weni- 
gen Resten der in sie eingeschnittenen 11 Gehtreppen zu sehen sind, erstreckt sich auch noch ziemlich 
tief in den Raum unter dem Diazoma hinab. Ein einziger Keil, d«r zweite von Ost her, hat die Anzahl 
seiner Stufen, mit Ausnahme der obersten vollständig, und das hat er wahrscheinlich auch der N8he des 
Kirchleins zu danken, welches, v^le Im Ausgrabungsberichte erwähnt Ist, auch der Grund von der Erhal- 
tung des oberhalb beflndllchen Stückes der marmornen Diazomabekleidung gewesen Ist. In andern Keilen 
fehlen mehrere Sitzstufen noch tiefer hinab. Jedoch nicht tiefer als bis zur 8ten Sllzstufe, das ist im 
westlichen Kelle. Das Diazoma In der Mille hatte übrigens seine besondern Ausgänge durch Je eine 
grosse Bogenthür im Ost- und Wcstflügel, die aber nicht genau über dem darunter beflndllchen Ausgange 
nach dem Räume E steht. 

Von den Standorten (cellae) der sogenannten Schallgefässe (rjxila)^ die Vilruv ausrührlich be- 
spricht, findet sich keine Andeutung mehr, wiewohl nicht gut anzunehmen Ist, dass sie In diesem präch- 
tigen Baue gefehlt haben. 

In dem Plane von Canina ist weiter oben zwischen den Sitzreiben noch ein Diazoma angegeben. 
Soviel aber die Ausgrabungen ergeben, Ist ein solches nicht vorhanden. Allerdings befindet sich ganz 
oben noch ein Diazoma und zwar ein sehr breites ; es hat Jedoch schwerlich hinler sich noch Sitzreihen 
gehabt. Dort Ist vielmehr der Säulengang {neglnatog) anzunehmen, welcher sich wie bei vielen griechi- 
schen Theatern an die Umfassungsmauer oberhalb der Sitze anlehnte; und man bemerkt auch noch an 
der Umfassungsmauer In einer Höhe von 10—12 Fuss einen fortlaufenden Falz, der wahrscheinlich die 
Gebälkstücke der Porticus nach hinten trug. Dieser Falz hört nach der Mitte zu auf, da, wo man in der 
dort freilich ziemlich trümmerbaflcn Mauer noch 6 bis 7 Bogen Blenden bemerkt. Bei einigen derselben 
sind nur noch locharllge Andeutungen da, bei zweien aber sieht man noch einige Steine liegen, welche 
den Bogen bezeichnen, In dem sich die Blenden nach oben wölbten. Sie befinden sich ziemlich hoch 
über dem Diazoma, gerade in derselben Höhe, wie das einzige noch übrige Bogenfenster des dritten 
Stockwerkes an der BUbnenwand. Sie entsprechen übrigens auch nicht genau den AusmUndungen der 
Gehtreppen, wie sich das auf dem Plane von Ganina findet, sondern entsprachen wohl den 7 Fenstern der 
BUbnenwand. 




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— 21 — 

Von QDterirdfscben AusraÜDdUDgen (vomitoria) auf die Diazomata, wie sich deren z. B. bei dem 
Theater von Sllcyon noch flnden , ist bei dem Odeioo, da es auf Felsen ruht, begreiflicher Weise nicht 
die Rede. . ^, 

Was nun die Sitzsturen selbst betrifR, so ziehen sie sich In Halbicreisefl um die Orchestra herum 
bis an die Zugänge (D)» welche von Osten und Westen her auf die Orchestra einmunden, und dort 
beranden sich an den üussersten Gehtreppen, wie auch auf dem Plane angedeutet ist, Treppen- 
wängen, die aber da aufhörten, wo der lieberbau der unten befindlichen Zugänge und die Verlfinge- 
rung der Sitzstufen anfing. 

Die Sitzstufen haben im Ganzen gleiche Form; die unterste Jedoch zeichnet sich vor allen andern 
aus. Sie hat nUmlich zuerst eine wenig über die Orchestra sich erbebende Stufe zum Aufsetzen der 
Füsse, dann hatte sie da, wo die Gehtreppen sie durefascbneiden , Armlehnen , worauf die beiderseits der 
Gehtreppe ausgehauenen hie und da noch erhaltenen Löweniclauen schliessen lassen. Auch eine Rücken- 
lehne fehlte ihr nicht und hinter dieser befand sich ein schmaler Gang (nicht ganz 2 Fuss breit), den man 
als unterstes D^zoma bezeichnen könnte, lieber demselben war vor der nächsten Sitzstufe wieder eine 
Stufe zum Aufsetzen der Füsse. Durch Alles dieses ist diese erste Sitzstufe ausgezeichnet als Platz für 
höhere Beamtete oder sonst bevorzugte Personen. — 

Rückenlehnen musste übrigens wohl auch die oberste Sitzstufe- am mittlem wie am obern Diazoma 
haben. Die Höbe der Sitzstufeo, auf deren Jede zwei Gehstufen kommen , beträgt das Mittel der von 
Vitruv angegebenen Höhen (B. V c. 7 § 47), nämlich 1 Fuss 3 Zoll. Der für die Füsse bestimmte 
Platz ist etwas tiefer als der Sitzplatz der zunächst daran stosscnden Sitzstufe, was auf dem Plane mit 
angegeben ist; der Sitzplatz gewann ausserdem durch vorn überstehende Profillrung an Schönheit und 
Breite. 

Die Zahl sämmtlicber Sitzstufen lässt sich nicht mit voller Bestimmtheit angeben , da dieselben im 
obern Räume alle fehlen, aber doch ziemlich genau berechnen. Im untern Räume sind 20 Sitzstufen, 
die beiden erwähnten Schemelstufen nicht gerechnet; für den obern Raum ergiebt die Berechnung 13, 
also zusammen 33. Der Durchmesser nun vom Odeion bis zum obern Diazoma beträgt 222 Fuss (der 
des ganzen Raumes mit der Umfassungsmauer 264 Fuss), ferner der Durchmesser der Orchestra 60 Fuss 
4 Zoll oder in runderer Zahl 60,5 Fuss; mithin ergiebt sich als Zahl der Zuschauer, für deren Jeden 
doch wohl 1^ Fuss zum Sitz gerechnet werden muss, folgende, nach beigefügter Berechnung: 

222 -f 60,5 

^ 5 X 33 = 5438. 

dabei ist angenommen, dass der Ausfall von Sitzplätzen durch den Raum des Diazoma in der Mitte und 
der Gehtreppen vollständig gedeckt wird durch die auf den Verlängerungen (ter Sitzstufen angebrach- 
ten Plätze und durch die Sitzplätze in der Orchestra. 

Die Bühne (C) nqoax^vtov mit dem Sprecbplalze fllr die Schauspieler (pulpiium^ loytlov') und 
das Bühnengebäude. 

Vor der Orchestra führten Treppen mit 5 Stufen, wovon noch 3 erhalten sind, auf die Bühne hin- 
auf. Nur eine dieser Treppen, die östliche ist noch zu sehen, wahrscheinlich aber war an der West- 
seite der BUhnenbrüstung noch eine zweite. Der ganze Bühnenraum von der Brüstung bis zur Skenen- 
wand hatte eine Tiefe von etwas über 24 Fuss, der mit Balken und Bretlerwerk belegte Raum aber (das 
loytlov) nur etwas über 18 Fuss. Die Breite des Bühnenraumes zwisclien den Seitenwänden (rra^a- 
ax^v$a,versurae procurrentes) hat nicht ganz, aber ungefähr der Vorschrift des V' itruv entsprechend das 
doppelte Maass von dem Durchmesser der Orchestra. Die Brüstung der Bühne hat, wie bereits envähnt, 
die massige Höhe von 4^ Fuss und war oben und unten mit schöngegliederten Streifen oder Leisten , auf 
Marmorplatten ausgehauen, verziert. Hinter derselben bemerkt man auf dem Boden des Raumes unter 
dem Pulpitum (v7ro<fx^vtov genannt) eine grössere Oefl'nung (von 2' 10" X 3 Fuss mit einer Tiefe von 
7 Fuss) in der Mitte, und zu beiden Seiten derselben Je 4 kleinere (1' X 1' «nd 4' tieO. Ob jenes 
roh aus dem Untergrunde gehauene Loch dazu gedient bat, dass Versenkungen von der Bühne aus statt- 
finden könnten, will ich nicht behaupten, dass man aber, weil Knochen darin gefunden wurden, Gladiato- 
ren binelogeworfen, wie Herr Piltakls annimmt, ist mir unwahrscheinlich. In den kleinen Löchern waren 






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wohl Balken eingesetzt, an denen vermnthllch der Vorhang herabgelassen und aufgezogen wurde; wenig- 
stens findet sich keine andere Stelle, die besser daftir passle, denn die sogenannten Perlakten oder 
drehbaren CouUssen, die man vielleicht hierhin zu verlegen geneigt sein könnte, mOasen doch wohl sich 
hinter dem Vortiange befunden haben und können demnach nicht so weit vom angebracht gewesen sein. 
Eine Andeutung Ihres Standortes findet sich indess nicht. 

Die im Ost und West nach dem Zuschauerraum vorspringenden Seitenwinde der BUhne haben Je 
eine auf die Bühne führende Thiire und eine Nische, zu deren Selten ohne Zweifel sich Säulen bedinden. 
Die Skenenwand selbst bat drei Tbüren. An den beiden Selten von Jeder befinden sich Je zwei Bogen- 
nischen, von denen die einen im Halbkreis, die andern im Rechteck in die Mauer einschneiden. Dort hat 
man sich Statuen aufgestellt zu denken, wenn auch keine davon mehr gefunden worden Ist. Nach dem 
Sprechplatze der Schauspieler bin war die Skenenwand ohne Zweifel ausserdem mit Sfiulen geziert. Noch 
sieht man an der BUhnenwand wie auch an den Seltenwänden in einer Höbe von 16 Fuss über dem Un- 
terbaue die Vertiefungen, In welche Jedenfalls die auf den Säulen ruhenden Steingebälke elogelassen 
waren. 

Das zweite Stockwerk, welches, nach VItruv's Angabe zu schllessen, gleichfalls mit Sflulen ge- 
schmückt war, bat In der Wand sieben Bogenfenster, das mittelste aber, wie auch die an den Seitenwio- 
den, ist geblendet und bat nur eine kleine Tbüre, die In ein nach Aussen vorspringendes abgeschlossenes 
Gemach ftibrt. Sollten von da aus Erscheinungen aus der Höhe, wie von Göttern oder beflügelten Ge- 
stalten, bewerkstelligt worden sein? 

Von den Bogenfenstern des dritten Stockwerkes, deren wobi auch sieben In der Skenenwand und 
Je^elns an den Paraskenlen waren, Ist nur noch ein einziges erhalten. Auch für dieses Stockwerk schreibt 
VItruv Säulen, Jedoch von geringerer Höhe und Dicke vor. 

Untersuchen wir nun von Aussen die gegen Süden gerichtete Front des Odelons, so finden wir zu- 
nächst unten vor der Bübnenwand den langen Kaum , welcher auf dem Plane mit 1 bezeichnet Ist. Man 
gelangt In Ihn durch die drei erwähnten Thüren In der Skenenwand. Andere nicht mehr erkennbare 
ftlbrten von Süden her und Je eine von Ost und West her hinein. 

Sechs tiefe Bogennischen sind in der Skenenwand eingelassen. In denen Statuen zum Schmuck des 
Raumes wohl auch nicht fehlten. Dieser Raum selbst war oben überwölbt, was noch die Bogenansälze 
an der Bühnen wand beweisen. Ob aber über dieser Wölbung wieder Säulen als Verkleidung der obern 
Stockwerke standen, Ist nicht genau mehr zu erkennen. In dem restaurlrten Plane Canlna's scheint noch 
ein zweiler solcher überwölbter Gang angenommen zu sein. Es Ist aber sehr unwahrscheinlich, dass ein 
solcher exlstirle, denn während der erste nur 25 Fuss tief ist, Hegen die kaum aus dem Boden hervor- 
ragenden Substruktionen, welche den zweiten nach Süden hin gestützt haben müssten, über 42 Fuss weit 
entfernt. Jene Substruktionen scheinen vielmehr IjIoss dazu gedient zu haben, einen ebenen, freien Platz, 
der gegen Abspülung durch Regengüsse gesichert wäre, zu bewirken. 

An den Flügeln gegen Ost und West bemerken wir ausserhalb Je zwei Räume, E und JF", wie 
kleine Vorhöfe. Auch sie waren, wie noch deutlich zu sehen ist, überwölbt, und aus den mit E be- 
zeichneten Räumen konnte man sowohl auf die Bühne C, als in die Zugänge zur Orchestra D und end- 
lich auch hinauf zum mittlem Diazoma gelangen. Es führten nämlich von den Räumen E und F noch 
erkennbare Treppen zu der Plattform Cr, von da aus andere wenig mehr erkennbare und Im Plane nicht 
angedeutete zu dem höher gelegenen Räume H und endlich von hier über den überwölbten Raum E hin- 
weg durch eine hohe Bogenlhür eine dritte Treppe zu dem mittlem Diazoma, von wo aus man leicht zu 
den Obern Sitzplätzen gelangen konnte. 

Von dem östlichen Räume F führt eine Tbüre nach der Sloa Eumenia hin (Im westlichen fehlt sie). 
Jetzt Ist sie noch nicht durchgebrochen und es befindet sich noch der unterirdische Gang darin, der zu 
dem oben erwähnten und Im Plane auch angedeuteten Brunnen hinabführt. 

Die Mauern der Flügel scheinen eine bedeutendere Höhe gehabt zu haben als die des Skenengebäu- 
des, wenigstens ragen die Bogenfenster dort viel höher empor als hier. Die Flügel hatten zwei Reihen 
von je vier Bogenfenstern, deren OcITnung nach Aussen grösser Ist als nach Innen. Jetzt sind am Ost- 
flügel noch drei oben und unten erhalten , am Westflügel drei unten und eins oben ; dabei ist Jedoch zu 
bemerken, dass die untere Reihe noch gut so hoch liegt als das oberste Diazoma. Merkwürdig Ist noch 
ein Jetzt vermauertes Bogenfenster oder eine Thür, welche sich in der vom Ostflügel aus ostwärts sich 



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— 23 — 

hioziebenden Verliogcruogsmauer beflodet und auf den überwölbten östlichen Raum F geftihrt zu baben 
sebeiot. 

Von den In Canfna's Plan angedeuteten äusseren Strebepfeilern an der UmTassungsmauer des Zu- 
schauerraumes sind Iq Westen nur vier oder fünf sehr geringe Andeutungen vorbanden. Gegen den 
Alu'opoltsrelsen hin waren sie unn6Uiig und habe Ich keine entdecicen können. An der Ostseite wird sich 
ihr Vorhandensein oder Nichtvorhandensein zeigen, wenn das hoch audiegende Erdreich dort weggeschafft 
wird; und dann sind auch Aufklärungen über die Verbindung der Stoa Eumenia mit dem Odeion, sowie 
über die Construction Jenes Baues selbst zu erwarten. 






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Tl. Fände. 

Es ist schon Im Ausgrabungsberichte der Gegenstände, welche im Odeion nach und nach gefunden 
wurden, kurze Erwähnung geschehen. Wenn nun auch im Ganzen weder viel noch besonders Schönes 
und gut Erhaltenes zu Tage geflirdert wurde, so ist doch manches Interessante darunter, was mehr als 
blosse Erwähnung verdient. Der wichtigere Theil ist auf der Akropolis im zweiten Höre zusammenge- 
stellt. Anderes beOndet sich noch im Odeion selbst. 

Von den architektonischen Verzierungen hebe ich zuerst einige GesimsstUcke hervor, die theils mit 
den sogenannten Eiern oder umgelegten Blättern und Perlenstäben oder auch mit glatten Leisten oder 
Hohlkehlen und Wülsten geschmückt, theils aber auch bemalt sind. Auf den letzteren finden sich diesel- 
ben Stäbe mit den übergelegten Blättern, wiewohl bisweilen In weniger ausgesprochener Form. Die 
Blätter sind abwechselnd hellblau und tiercarminroth bemalt und mit weissen Linien eingefasst ; bei andern 
fällt das Blau mehr in's Grüne; noch andere haben statt des blauen Blattes ein schwarzes zwischen den 
rothen ; noch andere haben bloss die rothe Bemalung aur dem weissen Marmor. Auch fand sich ein Stab 
mit weisslinigem Mäander auf ziemlich hellrothem Grunde. 

Ferner sind Gebälkstücke mit Zahnschnitten und andere mit den sogenannten Tropfen gefunden 
worden, zwischen welchen sich hie und da noch Spuren von rother Farbe zeigten. Dann sind Bruch- 
stücke von Pilasterkapitälen zu erwähnen, die wahrscheinlich auf den Pfeilern ruhten, weiche in dem öst- 
lichen und westlichen Zugange zur Orchestra an der Stelle sich befinden, wo die Sitzreihen über dem tie- 
fer liegenden Gange bis zur südlichen Mauer sich zu verlängern beginnen.. 

Diese Kapitale sind , wiewohl sie nicht die vorzügliche Technik der früheren Blüthezeit verrathen, 
doch mit Sorgfalt und Geschmack gearbeitet. Akanthusblätter in gerälliger Form, scharf und tief ge- 
schnitten, Blumen und Knospen, die nach dem Plinthus aufsteigen, und Rankenwerk zeigen, dass der 
corinthische Styl im Innern des Odeions angewendet war. Dafür sprechen auch andere ähnliche Orna- 
mente, an denen mit grossem Flelsse Blumen und Blattwerk fast frei heraus gearbeitet sind, wie man an 
Säuienknäufen in gotbischen Kirchen öfter sehen kann. Man findet zwar auch einige wenige gute Bruch- 
stücke von Voluten ionischer Kapitale, doch sind sie möglicher Weise von der Akropolis heruntergebracht 
worden und stammen vielleicht gar von dem nicht weit entfernten NIkelempel. Von Säulenresten ist 
sehr wenig gefunden worden. Ein schlecht bearbeitetes unkanelirtes Stück von bläulichem Marmor mit 
einem Durchmesser von 22 Zoll und einer Höhe von über 5 Fuss lag an dem oben erwähnten Brunnen 
in der Orchestra, ein anderes, etwas weniger hoch mit 18 Zoll Durchmesser, an der östlichen Seitenthür 
der Skene. Ein tief kanellrtes Säulen fragment von 5 Fuss 8 Zoll Länge und über 2 Fuss Durchmesser 
lag und liegt noch vor dem westlichen Flügel des Odeions. Kleinere Fragmente von Säulen mit Kane- 
lüren, die wiederum eine Füllung haben , wie die einzelne Eclcsäule an der Stoa des Hadrian , ferner an- 
dere ohne diese Füllung, dann glatte von CipoUino fanden sich mehrere vor. Auch einzelne Säulenbasen, 
bei denen die Hauptverzierung bald eine wulstige Ausladung, bald eine Hohlkehle bildet, sind hier unter 
den Funden zu erwähnen. 

Von Bildbauerarbeiten ist an die Spitze zu stellen eine lebensgrosse Statue, die zwar von später, 
aber nicht gerade schlechter Arbeit ist und auch bis auf den fehlenden Kopf und rechten Arm gute Er- 
haltung zeigt. Sie lag im westlichen Zugange zur Orchestra, sorglich mit feinem Sande bedeckt, und Ist 
Jetzt in der dort befindlichen Nische aufgestellt. Sie zeigt einen Mann In kräftigem Alter, bekleidet mit 
einem langen Chiton, der die Brust frei lässt, aber mit einem bequasteten Zipfel über die linke Schulter 






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— 25 — 

tief Dteh vorn berabfiQU. Die Linke bllt das Gewand. Die FUsse haben Sandalen , mit hocb berauf ge- 
benden Riemen befestigt. Zur Linicen steht auf dem Boden ein viereckiger Kasten mit Rtaigen an den 
langen Seiten; an den Ringen sind Riemen angeknüpft, die wobi zum bequemovn Tragen des Kastens 
dienten. An der Vorderseite Ist ein Scbloss, dessen Auftaagelung, sowie das SchlQsselioch deutlich am 
Marmor zu sehen ist. Es ist dies wobi ein Kasten, der zur Aufbewahrung von Scbriftrollen diente, in 
runder Form sich bei der schönen Statue des Sophokles und anderswo ßndct und zu der Vermutbung 
veranlasst , dass die Statue einen Gelehrten oder Dichter vorstellte. Es liegt ziemlich nahe , an Herodes 
Attikos selbst zu denken, doch ist und bleibt das, so lange der zur Statue gehörige Kopf und sonstige 
Beweise fehlen , nur eine Vermuthung. Aeholich verhSit es sich mit der Bezeichnung eines Kopfes , der 
zu einer lebensgrossen Statue gehört zu haben scheint und schon vor etwa 10 Monaten gefunden worden 
Ist. Man hat ihn der Regula, der Gemahlin des Herodes, zugeschrieben und verroutbet, dass die Slatue 
derselben in der Nische des östlichen Zuganges zur Orchestra gestanden habe. Der Kopf bat allerdings 
Porträtbildung; der Haarputz zeigt eine der Moden, wie sie zur römischen Kaiserzeit so bäuflg wechsel- 
ten. Das Haar füllt nicht in Flechten, sondern in zusammengedrehten Wülsten tief bis unter die Ohren 
in Bogen zu beiden Seiten hinab, und ist mit gleicher Anordnung am Hinterkopfe in einer grossen Run- 
dung aufgelegt. Die Augenbrauen sind hocb in die Höbe gezogen , die Augäpfel und Augensterne sind 
im Marmor durch Contouren angedeutet; die Nase ist verstümmelt; die Lippen sind voll wie das ganze 
Gesicht, dessen Fülle noch besonders ausgedrückt Ist durch ein ziemlich bemerkliebes Unterkinn. Die 
Arbeit dieses Kopfes ist übrigens schlechter als die der erwähnten Statue und entspricht mehr der, welche 
an dem Bruslbilde eines Knaben sich zeigt. Die Büste, in der Nähe des in der Orchestra entdeckten 
Brunnens bei der Ausgrabung gefunden , hat mit dem niedrigen Postamente ungefähr 2 Fuss Höhe. Die 
Haare sind hier sehr oberflächlich bebandelt. Wenn man nun in dem Knaben, der etwa 9 — 11 Jahre 
haben mochte, Attikos, den Sohn des Herodes, erkennen will, so passt wenigstens der geringe geistige 
Ausdruck in ihr ganz gut zu der Beschreibung, die Pbilostratos von dem Sobne des Herodes gibt. 

Von besserer Arbeit Ist der balblebensgrosse Torso einer männliclien nackten Figur, welche in der 
Linken eine Lyra hält und mit der Rechten In die Saiten greift. Man kann an einen Apollo dabei 
denken. 

Gefällige Form, wenn auch nicht besondere Arbeit, zeigt der Torso einer andern Jugendlichen 
männlichen Figur, welche mit einem sehr kurzen, falligen, doch sanft anschliessenden, unter der Brust 
mit einem Riemen gegürteten Gewände, einem Jäger- oder Hirtenrockc, bekleidet Ist. Die rechte Brust 
ist bloss. Kopf, Arme und Füsse fehlen. 

Ein anderer kleinerer Torso stellt ein Kind dar, welches einen Löwen auf seinen Knieen hält und, 
indem es dessen Rücken mit den Armen gegen die Brust presst, zu würgen scheint. 

Drollig ist die kleine Gruppe von zwei Kindern, von denen das eiqe mit allen Vieren auf dem Boden 
kriecht, während das andere auf dem Kriechenden reitet. 

Von einzelnen Köpfen ist eine ziemliche Anzahl gefunden worden, doch haben sie entweder durch 
das Feuer gelllten oder sind sonst beschädigt. 

Am schönsten ist das Bruchstück eines weiblichen Kopfes, der vom Kinne bis zum Ansätze der 
Haare 9 Zoll hoch ist. Die Haare und Augenbrauen w^ren vergoldet, wovon noch mehrere Spuren 
auf rothbraunem Untergrund deutlich sichtbar sind. Die Augen sind eingesetzt, das Weisse derselben 
besteht aus einer Alabasterarl, die Augäpfel, welche fehlen, waren Jedenfalls von einer andern Art dunk- 
leres Gesteines. Selbst die Haare der obern und untern Augenwimpern waren angegeben durch feine 
Bronzesli flehen, wovon man noch Bruchslücke oder wenigstens die Löcher, worin sie eingesetzt waren, 
bemerkt. Der Marmor hat einen eigenlhüralich matten Glanz ; er sieht aus wie mit Wachs getränkt und 
hat ohne Zweifel auch Bemalung gehabt. Oxydhallige Feuchtigkeit aber, welche aus den Augen geflos- 
sen ist, hat die Wangen beschmutzt. Uebrigens ist die ganze Bildung des Gesichtes voll und edel. 

Ein kleines, gut gearbeitetes Stück Kopf zeigt nur noch das rechte Ohr und einige krause Locken 
herum. Ausserdem bemerkt man daran etwas über dem Obre eine glatte Schnittfläche, auf der vielleicht 
ein Helm oder sonst eine Kopfbedeckung aufgesetzt war. 

Femer findet sich unter den Köpfen einer mit Modius; das Gesicht aber hat stark gelitten. Einen 
venusartigen Ausdruck bemerkt man an dem Bruchstück eines Kopfes, an welchem die Haare hinten iu 
einen Knoten zurückgebunden und die Augen halb geschlossen siqd, 

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— 26 — 

Von porträtartigen KOpfen Ist einer der weniger verstümmelten der Kopf einet Mannes mit kurzem, 
lockigem Haar und Bart und sanftem Ausdruck des Gesiebtes. 

Sonderbare Toilette zeigt ein Frauenkopf, an welchem die Haare zuerst beiderseits bis an das 
Ohr herunterrallen, dann aber nach hinten geben und sich alle in einen dicken Zopf sammeln, der dani 
wieder am Nacken umgebogen und In die Höhe gebunden ist. Auch findet sich unter den Ueberrestea 
eine Maske mit gewaltigem Lockenkopr, grossem Mund und wahren Froschaugen. Noch manche an- 
dere Bruchstücke von KOrpern, Köpfen, Armen, HSnden, Füssen sind gefunden worden, die aber un- 
scheinbar sind und die ich übergehe. Jedoch verdienen noch einige der aufgefundenen Reliefs nähere 
Erwähnung, besonders ein Stein, der halb gespalten 16| Zoll lang, 15^ Zoll hoch und nur noch 7 Zoll 
breit ist. Er hatte vielleicht an drei, Jetzt aber nur noch an zwei Seiten Reliefdarstellungen, die in der 
Anlage sowohl, wie der Ausführung schön sind und auf keinen FaH zu den Vorzimmern des Odeions 
gehört haben. An der Langseite sitzt auf einem FelsenstUcke ein kräftiger, bärtiger Mann, nachdenk- 
lich vor sich hinsehend. Sein langes, faltenreiches Gewand ist Ihm bis auf den Schooss herabgefallen, 
auf welchem die Linke ruht. In der etwas gehobenen Rechten hält er eine Schaale ; vor ihm lehnt an 
einem Pfeiler ein grosser, stark gewölbter Schild. An der schmalen Seite ist nur noch die Hälfte einer 
sitzenden Figur zu sehen; die Gewandung Ist bei dieser fast so wie bei der vorigen; auf der Linken 
hielt sie einen Adler, der die Flügel hebt und den Kopf zurückwendet. 

Ein schlechteres, doch ziemlich gut erhaltenes Relief von etwa 15 Zoll Breite und 12 — 13 Zoll 
Höhe zeigt drei stehende Figuren. In der Mitte steht ein gepanzerter Mann , den auf die Erde gestütz- 
ten Schild mit der Linken haltend. Seine Rechte streckt er seitwärts und hält über den Kopf eines 
jungen mit kurzem, aber faltenreichem Gewand bekleideten Mannes eine Scheibe wie einen sehr flachen 
Modius. Andrerseits steht eine reichbekieidete weibliche Figur, die durch lebhaften Gestus ihre Theil- 
nahme an der Handlung (vielleicht einer Weihe) bezeugt. 

Die Erwähnung eines dritten , Jedoch stark verslümmelten Reliefs führt mich zur Besprechung der 
aufgefundenen Inschriften, denn unter Jenem Relief beflndet sich eine metrische Inschrift. Von den Dar- 
stellungen erblickt man nur noch die Füssc und das lange sie bedeckende Gewand einer männlichen 
Figur. Zu ihrer Linken steht ein Pfeiler oder Altar, auf dessen Basis APAOHl zu lesen Ist; welter 
hin erkennt man die Füsse eines kleinen Kindes. Das Ganze ist ein Weihgeschenk, welches der Thra- 
ker Artemidoros, nachdem er mit seiner Familie glücklich aus der Ferne zurückgekommen ist, dem Zeus 
zum Dank hat aufstellen lassen, vermuthlich auf der Akropolis. 

Der grösste Thell der zahlreichen Inschriften, unter denen griechische tius älterer Zelt, spätere, 
und auch byzantinische, übrigens viele und unbedeutende Bruchstücke gefunden wurden, sind in den 
neusten Heften der von Herrn Piltakis rcdlglrlcn THip^fiegis ^AQxaioXoyixii Nr. 46, 47, 48 bereits veröf- 
fentlicht. Die eine betrifft Kosten für Ankauf von Gold und Elfenbein. — Das kleine Bruchstück von 
einer andern erwähnt Geldsummen und den Namen Slcilien. Eine andere Inschrift nennt zu Anfange 
einen Archon Themistokles, oder Aristokles. In einer andern Inschrift Ist ein Stück Volksbeschluss ent- 
halten, worin Theoroi, d. h. Festabgeordnete, mit einem Architheoros und die Demeter und Kora er\^'ähnt 
werden. Wieder ein anderes Inschririslück enthält zahlreiche Namen von Personen aus den attischen 
Phylen: Plolemals, Hadrianis, OeneTs und Kcicropls. Ausser sonstigen Bruchslücken sind auch mehrere 
Grabstelen geAinden worden, darunter zwei, die schon Wheler bei seinem Besuche Alben's gesehen 
hat, und die im Corp. inscr. von Böckh Nr. 577 u. 602 bekannt gemacht sind. 

Von Gegenständen aus gebranntem Thon ist ausser einer Menge Ziegeln wenig gefunden worden. 
Die zu Tage gekommenen Vasenscherben, übrigens theilwelse sehr fein und mit vortretnichem schwarzen 
Ueberzug auf dem rölhlich-braunen Tbongrunde versehen, sowie Lampenbrucbstücke, sind unbedeutend. 
Nicht besonders fein gearbeitet sind die Verzierungen von Sllrnziegeln und dergleichen. Sehr interessant 
aber ist das Monogramm, das sich auf einer Anzahl der aufgefundenen Ziegeln Qndet. Die am häu- 
figsten vorkommende Gestalt desselben Ist diese (g) und es bedeutet, wie PIttakis mit Wahrschein- 
lichkeit annimmt, &6ttxqov *HQadov tcal 'P^j'iJUas. Einige wenige fanden sich auch bloss mit dem Zei- 
chen B oder 0. 

Münzfunde sind unbedeutend gewesen, weder waren sie zahlreich, noch von besonderem In- 
teresse. Der Bronzereste, soweit sie nicht als Schlacken zu Tage kamen, sind gleichfalls wenige 
und unbedeutende; gewölbte oder glatte Stücke, Bänder, Haken oder dergleichen. 



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Aebnlfches bat sich auch in Eisen geftiodea, dazu noch Nägel von verscbiedeoer Grösse und Dicke, 
einige nur wenige Zoll, andere gegen 2 Fuss lang, ausserdem noch längere eiserne Bolzen. Entschie- 
den nicht zum Odeion gehtfrig, doch In demselben gefunden und interessant ist eine grosse eiserne 
Bombe, die ziemlich tief unter der Jüngsten Oberfläche des Schuttes gelegen hat. Sie ist viel grösser 
und anderer Bildung, als die sich ziemlich häufig findenden türldschen von der letzten Belagerung durch 
Rescbtd Pascha. Darum glaubt man, dass sie als ein Andenken gelten könne an die unheilbringende Belage- 
rung Athens durch den venetianischen Admiral Morosini 1687. Die Bombe ist noch wohl erhalten und 
hat noch Füllung. Ihr Umfang ist 3 Fuss 8 Zoll, das Zündloch bat 2| Zoll Durchmesser im Lichten. 
Die Wandung des Zündloches ist etwas über einen Zoll dick. 

Sehr merkwürdig ist auch noch das Holz, welches man Iheils mit Schlacken, Erde, Ziegeln ver- 
bunden, theils einzeln als Kohle, stückweise aber auch besser erbalten gefunden bat. Es bedarf übri- 
gens doch noch einer von sachkundiger Seite gelieferten Bestätigung der Annahme, dass die gefundenen 
Holzreste wirklich von Gedernholz sind, wenn auch die Wahrscheinlichkeit davon nahe liegt und das be- 
stimmte Zeugniss des Philostratos wie auch der Fundort und die Verbindung der Kohlen mit den Schlacken 
dafür spricht. Nicht ganz unerwähnt darf ich die M o s a 1 k fragmente lassen, welche, aus weissen, gelb- 
lichen und rothen Steineben gebildet, sich in den Räumen E und sonst noch vor dem Odeion ge- 
zeigt haben. 

Geschrieben zu Athen im Juli 1858. 






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